Russlandgeschäft

Seit Jahrzehnten werden die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland als strategisch bezeichnet. Bereits seit Mitte 70-er Jahren ist Bundesrepublik Deutschland einer der wichtigsten Handelspartner der UdSSR. Am 5. Juli 1972 wurde ein Handelsabkommen unterzeichnet, welches eine positive Entwicklung der Wirtschaftsverbindungen zwischen den beiden Ländern in vielen Bereichen bewirkte.

Nach dem Fall der Berliner Mauer, der Perestrojka, dem Verfall der UdSSR und damit verbundener Krise Ende 80-er – Anfang 90-er Jahre in Russland erreichten die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen der wiedervereinten Bundesrepublik und der Russischen Föderation neue Höhepunkte. Das Handelsvolumen ist von Jahr zu Jahr bis zum Beginn der weltweiten Finanzkrise Ende 2008 stets gewachsen. In den darauffolgenden Jahren 2009-2010 entsprach die Situation in den bilateralen wirtschaftlichen Beziehungen den allgemeinen Tendenzen auf den Weltmärkten. Jedoch zeigte schon das Jahr 2011 wieder eine positive Dynamik. Sowohl die Export- als auch die Importzahlen haben die Umsätze vor der Krise von 2008 übertroffen.

Heute ist Deutschland der zweitwichtigste (nach China) Handelspartner der Russischen Föderation mit ca. 15% des gesamten Importvolumens. Im Gegenzug deckt Russland mit Ihren Lieferungen mehr als 30% des Gas- und etwa 20% des Ölbedarfes der Bundesrepublik.

Schwerpunkte der deutschen Exporte liegen in den Bereichen Produktionslinien, Produkte aus dem Maschinen- und Automobilbau, Baumaschinen, Komponenten für die Chemieindustrie, industrielle Automation, Messtechnik, medizinische Geräte u vieles mehr.

Russland ist mit etwa 141 Mio. Einwohnern das Bevölkerungsreichste Land Europas. Die Hauptstadt Moskau ist mit ca. 13,8 Mio. Einwohnern die größte Stadt Europas, die zweitgrößte Metropole Russlands – St.- Petersburg belegt mit Ihren 5,0 Mio. Einwohnern Platz 3 der größten europäischen Städte. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 2.383 Milliarden USD (2011) ist die Russische Föderation neunt größte Volkswirtschaft der Welt. All das, gekoppelt mit enormen Reichtum an Bodenschätzen an einer Seite und immer noch nicht gestillter Konsumlust der Russen, sowie der dringender Notwendigkeit enormer Investitionen in die Infrastruktur und Industrie auf der anderen, erschafft einen riesigen Markt für fast alle Branchen der modernen Wirtschaft.

Trotz gewisser Besonderheiten und Schwierigkeiten verfügt der russische Markt über gute Voraussetzungen, um bereits vorhandene Geschäfte zu intensivieren und Marktfelder zu verbreitern, oder als neuer Spieler in den sehr interessanten und stetig wachsenden russischen Markt einzusteigen.

Nach jüngsten Umfragen planen oder überlegen z. Zt. mehr als 70% der deutschen Unternehmen neue Schritte in Richtung Russland. Bereits heute sind fast 6,5 Tausend deutsche Tochterunternehmen, Filialen und Firmenrepräsentanzen auf dem russischen Markt tätig.

Die meisten Experten sind sich einig, dass der lang ersehnte Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation positive Änderungen und neue Möglichkeiten und Anreize mit sich bringen wird.

Ferner gewinnt die in 2010 gegründete Zollunion zwischen der Russischen Föderation und der Republiken Weißrussland und Kasachstan immer mehr an Bedeutung, da der vereinfachte und Zollfreie Warenverkehr zwischen drei Ländern bereits im ersten Jahr nach der Gründung um mehr als 40% gestiegen ist.

Die Führung der Geschäfte in Russland weicht in vielen Aspekten von der gewöhnlichen europäischen Praxis ab. Hier ist jedoch anzumerken, dass es keinerlei universelle Methoden für ein „richtiges“ oder „allgemein verbreitetes“ Geschäftsführungsmodell selbst in den solch traditionellen Wirtschaften wie z. B. die deutsche, gibt. Es gibt gewiss übliche Regeln, Praxen und Abläufe, doch vieles hängt von dem jeweiligen Unternehmen, Leuten und Situationen ab. Die geschäftliche Mentalität in Europa, Amerika und Asien kann nicht unterschiedlicher sein. Selbst in Teilen Europas geht man an das Geschäft ganz anders heran.

Durch die kulturelle, geografische und wirtschaftliche Nähe zur Europa und insbesondere zu Deutschland kann man eigentlich davon sprechen, das das Geschäftsleben in Russland dem in Europa entgegen vieler Vorurteile einander wesentlich näher stehen, als viele denken. Als westlicher Unternehmer kann man sicherlich die lokalen Besonderheiten und spezifische Gegebenheiten des russischen Geschäftslebens auf eigene Faust erkunden, oder sich den Insidern – unseren Fachleuten anvertrauen.